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Heute gebe ich das neue Add-On PREISS Consulting Advanced BOM Analytics, Supplier to Customer frei, an dem ich die letzten zwei Jahre neben meinen Kundenprojekten gearbeitet habe. Deutlich länger als zuerst erwartet.
Ich bin aber sehr zufrieden mit meinen Entscheidungen und dem Ergebnis.

Die erste wichtige Entscheidung war, ein Gesamtpaket zu bilden, das neben der neuen Verwendungsanalyse und neuen Versionen von Stücklistenbrowser und Materialübersicht auch neue Transaktionen für Bezugsquellenfindung und Kundenbezug enthält. Außerdem bin ich froh darüber, dass ich den Lieferanten- und Kundenkontext konsequent realisiert habe und die Bezugsquellenfindung sowohl über Einkaufsstandardfunktionen als auch über Simulationen von MRP (Classic) und MRP Live eingebaut habe.

Die Übersicht über die gesamte Kette von Lieferanten über die eigenen Produktstrukturen – mehrstufig und über Werksgrenzen hinweg – bis zu Kunden sollte für viele Anwendungen branchenübergreifend hilfreich sein. Ich bin zuversichtlich, dass sowohl Anfänger als auch Experten Freude daran haben werden, so viel Kontext wahlweise entlang der Stücklistenstruktur oder als Materialliste zur Verfügung zu haben, mit Absprüngen in die zugehörigen Transaktionen.

Zum Beispiel hätten mir diese Transaktionen bei meiner Einarbeitung in SAP sehr geholfen, um die Zusammenhänge der Daten aus unterschiedlichen Anwendungen zu verstehen. Heute nutze ich die Transaktionen gerne, um Beispieldaten schnell zu sichten oder aufzubauen.

Gespannt bin ich auch auf Anwendungsmöglichkeiten mit AI-Tools. Meiner Meinung nach sind die Zusammenhänge in SAP nirgends so exakt dokumentiert, dass AI Auswertungen in ähnlicher Qualität liefern könnte. Umgekehrt bietet die Bereitstellung dieser Informationen über so viele Objekte und deren Zusammenhänge in so dichter, exakter und strukturierter Form neue Chancen für eine intelligente Weiterverarbeitung – sowohl für operative als auch für strategische Zwecke.

Am komplexesten war vermutlich die Berechnung von Gesamtmengen im mehrstufigen Verwendungsnachweis, insbesondere wenn es mehrere Fertigungsversionen und Stücklistenalternativen gibt. Und natürlich gab es viele, viele zeitraubende Details, zum Beispiel bei Sonderbeschaffungsabwicklungen und rund um die Bezugsquellenfindung.

Marketing wird sicher wieder nicht einfach sein, aber AI-Tools helfen tatsächlich nicht nur bei der technischen Umsetzung, sondern auch dabei, die Hemmschwelle zu überwinden, Texte zu veröffentlichen und aktiv zu werden. Ich nutze Gamma zur Präsentationserstellung sowie ChatGPT und gelegentlich ergänzend Grok für Texterstellung und Fragen, zum Beispiel rund um die Homepage.

Links: Produktseite und direkt zur Präsentation.

Klassisches Kanban in S/4HANA – erster Test

Zielgruppe: Kanban-Interessierte mit Grundlagenwissen in SAP PP.

Zusammenfassung:  In diesem Blogbeitrag beschreibe ich ein Testbeispiel für klassisches Kanban in S/4HANA. Die Abschaffung der Lagerortdisposition hatte eine Änderung zwischen ERP und S/4HANA zur Folge und es gibt die Kanbantafel als Fiori-UI5-App. Sonst ist alles wie im ERP.

Seit kurzem habe ich bei MMC einen Zugang zu einem S/4HANA 2020 System gemietet und baue dort auch Beispiele auf. Mein erster Kanban-Test auf S/4HANA soll Fremdbeschaffung eines Schüttguts mit klassischem Kanban abbilden.

Das Material wird in einem Produktionslagerort verbraucht und vom Lieferant direkt zum Produktionsversorgungsbereich (PVB) in Kanban-Behältern zu je 1000 ST geliefert.

Die Beschaffung möchte nicht über den MRP planen, sondern manuell durch Leer-Setzen von Kanban auslösen.

Ich nehme an, dass die Ausgangssituation in diesem System weitgehend dem Stand der SAP-Auslieferung entspricht. Daher nenne ich die verwendeten Daten explizit.

Für Werk 1710 habe ich im Customizing Lagerort 171P und zugehörigen PVB ZST12_01 definiert.

Dann ROH-Material ZST12_BULK erzeugt, als Schüttgut eingestellt und das Dispomerkmal auf ND (Keine Disposition) gestellt. Mehr dazu gleich.

Dann Infosatz zu Lieferant 17300003  angelegt.

Es folgt die Erstellung des Regelkreises mit Transaktion PKMC. Hier war wieder einmal die kleine Hürde zu überwinden, die vermutlich schon viele potentielle Kanban-Nutzer aus der Bahn geworfen hat. Nach Markieren von „Fremdbeschaffung“ sehe ich in der Auswahl der Nachschubstrategien nur einen Eintrag für „Mengenabrufe(MRP, Alerts)“. Warum fehlt der Eintrag für Beschaffung mit Bestellungen? Im Customizing ist er vorhanden. Es liegt daran, dass nur die Einträge angezeigt werden, die – aus SAP-Sicht – sinnvoll sind. Die Einträge für Kanban ohne MRP, wozu Fremdbeschaffung mit Bestellungen zählt, werden gar nicht erst angezeigt.

(Exkurs aus Sicht Softwaredesign: Gut gemeinte Einschränkungen von Auswahloptionen auf die gültigen bewähren sich nur, wenn die Einschränkungen für den Benutzer klar sind. Wenn sie wie hier Ergebnis einer komplexeren Logik sind, ist es besser, die Auswahl zuzulassen und dann eine aussagekräftige Fehlermeldung mit Erklärung der Abhängigkeiten und Einschränkungen zu zeigen. Andernfalls erfährt der Benutzer nicht, wie er sein Ziel durch Ändern der Ausgangssituation erreichen kann und ist frustriert, dass er die erwartete Option nicht findet).  

Hier kommt dazu, dass das Material ja auf ‚ND‘ (kein MRP) gestellt ist. Aus einem mir unbekannten Grund (SAP-Fehler?) wird das Dispomerkmal auf Werksebene aber nicht berücksichtig, sondern erwartet, dass der Ziellagerort des PVB  von der Dispo ausgeschlossen ist.

Nun gibt es aber in S/4HANA die Lagerortdisposition bzw. das Lagerortkennzeichen mit Ausprägung „Lager von der Dispo ausschließen“ nicht mehr. Die Lösung ist also im Vergleich zu SAP ERP unterschiedlich und besteht darin, einen Dispobereich für  den Lagerort anzulegen und das Dispomerkmal in den Dispobereichsdaten des Materials auf ‚ND‘ zu stellen.

Nach Anlage Lagerortdispobereich 1710-171P für Lagerort 171P und Zuordnung zum Material mit Dispomerkmal ND kann ich den Regelkreis für klassisches Kanban mit Bestellung anlegen:

Druck von Kanban-Karten mit der SAP-Voreinstellung ist nach Angabe einer Druckers auch sofort möglich:

In der Verbrauchersicht (PK13N) der Kanbantafel setze ich dann den ersten Kanban auf Leer.

Der Kanban wechselt auf Fehlerstatus mit Meldung „Bei automatischer WE-Abrechnung bitte Steuerkennzeichen eingeben“. Also Steuerkennzeichen im Infosatz nachgetragen und den Kanban per Kanban-Korrektur („Möchten Sie den fehlgeschlagenen Statuswechsel wiederholen?“) korrigiert.

Die Bestellung wurde angelegt:

Voll-Setzen des Kanbans bucht den WE auf Lagerort 171P und nach weiteren Statuswechseln sehen Kanbantafel und MD04 so aus:

Fazit: Keine Überraschungen. Die Kanban-Funktionalität ist bis auf die Änderung durch Ablösen der Lagerortdisposition durch Dispobereich gegenüber SAP ERP unverändert geblieben.

(Das hat sich dann bei weiteren Kanban-Beispielen bestätigt.)

Zum Schluss probiere ich die Fiori-Anwendungen zu Kanban aus:

Ich finde eine neue UI5-Fiori-App zu Kanban, nämlich die Kanbantafel. Diese ist als Einbildtransaktion (also Selektionskriterien, Selektionsergebnis und Detaildaten in gemeinsamen Bild) neu gestaltet und vereinigt Verbrauchersicht (PK13N) und Quellensicht (PK12N), hier angezeigt mit 3 Regelkreisen:

Durch Festlegen und Speichern von persönlichen und öffentlichen Filterkriterien kann man verschiedene Selektionen aus Verbraucher- oder Quellensicht definieren. Die Selektionsmöglichkeiten scheinen denen in den ERP-Transaktionen zu entsprechen, allerdings vermisse ich die Integration der Kanbankorrektur und sehe weniger Einstellungsmöglichkeiten für die grafische Darstellung. Für mein Testbeispiel finde ich die Nutzung des SAP Gui angenehmer, vor allem weil es damit auf meinem Rechner schneller und robuster läuft als mit der Fiori-Oberfläche.

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